Mein fast perfektes Bild

Ich möchte hier für den Foto-Dreikampf Mein bester Fototipp die Geschichte erzählen, die mich dazugebracht hat, meine Kamera nach Möglichkeit immer mitzunehmen.

Im Spätsommer 2012 waren wir im Urlaub in einem kleinen Dorf, es war ein heißer Tag gewesen und gegen Abend bekam ich Lust einfach noch ein bisschen mit dem Rad durch die Gegend zu fahren.

So machte ich mich also auf den Weg, huiii gings bergab, der Fahrtwind war richtig angenehm und die Sonne stand schon tief genug um nicht mehr zu  warm zu sein. Eben ein perfekter Abend. Im Vorbeifahren bewunderte ich noch die vielen Strohballen, die auf einem abgeernteten Feld in der Sonne standen, als sich ein Bussard just diesen Moment aussuchte um auf einem dieser Ballen unweit der Straße zu landen und sich äußerst fotogen in Szene zu setzen.

Das Bild war absolut einzigartig – das warme Abendlicht brachte die Strohballen goldgelb zum Leuchten, der Bussard saß da als hätte ihn ein Dekorateur drapiert und im Hintergrund rundete ein dunkelgrüner Tannenwald das Bild ab. Und das ganze in angenehmer Teleentfernung – nur, leider, mein feines Tamron 70-300 lag mitsamt der Kamera in der Wohnung und erholte sich von einem Ausflug in den Tierpark.

Nach einer kurzen aber sinnlosen Rechenoperation, wie lange ich wohl zurück den Berg rauf brauchen würde eingeschlossen der Wahrscheinlichkeit, mit der der Bussard nach meiner Rückkehr noch da sitzen würde, pfiff ich auf alle Gehirnakrobatik und machte mich schleunigst auf den Weg – rauf in die Wohnung, schnell die Kamera umgehängt, wieder aufs Radl – huuuiiii, den Berg hinab und, oh  Wunder, das Tier saß noch da als wäre es ausgestopft.

Ich riss also schnell die Kamera hoch, der Schnappdeckel flog in den Graben (den konnte ich später noch suchen) versuchte den Bussard im Sucher zu lokalisieren – den Bussard??? Hallo??? Der Bauer hatte wohl in diesem Moment beschlossen, seine Strohballen nach Hause zu fahren und tuckerte munter übers Feld. Das war dem Bussard dann doch zu viel geworden und so war er von dannen gezogen, sich ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. Das Tier hatte wirklich ein Gespür für das perfekte Timing… zumindest was einen wirkungsvollen Abgang angeht.

Ich glaube ich hab mich noch nie über ein verpasstes Bild so geärgert wie an diesem Tag. Einmal war es eine Gelegenheit, wie ich sie so schnell wohl nicht wieder haben werde (wenn überhaupt jemals) und zum zweiten haben mir nur ein paar Sekunden gefehlt, das Bild doch noch in den Kasten zu bekommen.

An diesem Tag habe ich beschlossen, zumindest die Kamera mit Reisezoom nach Möglichkeit immer mitzunehmen, egal was ich vorhabe. Wenn man unterwegs ist hat man ja doch meistens eine Tasche oder einen Rucksack dabei und da passt das gute Stück dann auch noch rein.

Manche Gelegenheiten hat man nur einmal im Leben und viele geniale Bilder sind nur entstanden, weil jemand zufällig mit der Kamera zur rechten Zeit am rechten Ort war.

Ich würde jetzt gern noch das Foto von dem Bussard anhängen, aber das wird wohl bis zum nächsten Spätsommer warten müssen 🙂

Ulrike Jordan