Ein Licht in dunkler Nacht…

Ich möchte hier für den Wettbewerb Mein bester Fototipp kurz beschreiben, wie man mit ein paar Lichtquellen einmal eine andere Art von Nachtaufnahmen machen kann. Das ganze nennt sich Lightpainting und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Im Netz gibt es eine Fülle genialer Aufnahmen, die man sich am besten erst mal anschaut um zu sehen, was so möglich ist. Dann kann man sich überlegen, wie man das, was einem vorschwebt, am besten verwirklicht.

Das ganze ist als Anregung gedacht, ihr könnt dann nach Herzenslust weiter herumexperimentieren.

Für den Anfang benötigt man ein Stativ, eine Kamera (möglichst mit Funk-Fernauslöser) und ein paar Taschenlampen, evtl. zum Abdecken eine Pappe oder ähnliches. Man kann auch Wunderkerzen verwenden und mit den fliegenden Funken interessante Effekte erzielen. Ich habe diese LED-Lampen verwendet, sie haben eine angenehme Helligkeit und lassen sich gut mit Lee-Farbfilterfolien ausstatten. Eine Schlaufe oder sonstige Befestigungsmöglichkeit für eine Schnur am Ende der Lampe ist sinnvoll, dann kann man die Lampe z.B. im Kreis herumwirbeln oder an einen Stock binden und Spiralen machen.

Hier mal ein Beispiel, wie man die Lampen bunt bekommt: Endweder man schneidet die Folien  in der gewünschten Farbe passend zurecht (ich habe mir einfach so ein kleines Musterheft bestellt) und klemmt sie einfach vorne auf die Taschenlampe oder man schraubt den oberen Teil ab und wickelt durchsichtiges Bastelpapier in der gewünschten Farbe darum, um breitere Leuchtstreifen zu erzeugen. Man kann mehrere Taschenlampen mit verschiedenen Farben bestücken.

 

 

So, nun endlich mal zum praktischen Teil: Ihr könnt den Hintergrund ins Bild mit einbeziehen oder euch eine dunkle Stelle suchen, wenn ihr “nur malen” wollt. Die Kamera kommt aufs Stativ, Einstellung “M” und “bulb” (wer keinen Funk-Fernauslöser hat kann es auch mit 30 Sek. Belichtungszeit probieren und hoffen, dass er in der Zeit mit seinem Kunstwerk fertig wird) und dann wird einfach so lange belichtet, wie ihr für eure Malereien braucht. Wenn man einen teilweise beleuchteten Hintergrund ins Bild mit einbeziehen möchte, muss man etwas mit Blende und Belichtungszeit herumprobieren. Natürlich müsst ihr noch vorher per Hand auf die Stelle scharf stellen, an der euer Bild entstehen soll.

Anfangs ist es etwas schwierig, im dunkeln die Orientierung zu behalten – man hat ja keine fertigen Striche wie auf Papier sondern malt quasi blind. Da hilft es sehr, sich ganz bewusst den Anfangspunkt zu merken, z.B. direkt auf Brusthöhe oder kurz unterhalb des Bodens in der Nähe des vertrockneten Blattes. Dass man trotzdem oft leicht daneben liegt, zeigt diese Kerze:

Es ist empfehlenswert, relativ zügig zu zeichnen und unterwegs keine “Pausen” einzulegen, da sonst an diesen Stellen das Bild ausgebrannt ist. Wenn man wie beim Zeichnen auf Papier absetzen muss und an einer anderen Stelle weiter malt, nimmt man eine Pappe oder ein kleines Kissen zum Abdecken oder schaltet die Lampe in der Zeit kurz aus.

Noch ein paar nützliche Hinweise: Man muss sich nicht gleich das Gesicht mit Ruß verschmieren, aber es ist schon ganz sinnvoll, dunkle Kleidung anzuziehen wenn man später nicht als undefinierbarer verschwommener Geist auf dem Foto erscheinen will. Auch hilfreich: Eine Stirnlampe, das erleichtert die Einstellung der Kamera im Dunkeln enorm. Nur sollte man daran denken, diese während des Malens auch wieder auszuschalten – sonst wundert man sich später über diesen unregelmäßigen ausgebrannten Fleck oben auf dem Bild 🙂

 

Weitere Möglichkeiten:

1. Regelmäßige Muster erzeugen, indem man die Taschenlampe z.B. an eine Schnur bindet und im Kreis schwingt. Wenn das ganze eine runde Angelegenheit werden soll, muss man sich einen fixen Punkt am Boden suchen, über dem man schwingt. Für die abgebildete Kugel habe ich eine Taschenlampe mit blauer Folie an eine etwa 1m lange Schnur gebunden, mir ein bestimmtes Blatt am Boden gesucht und dann möglichst regelmäßige Kreise geschwungen, wobei der tiefste Punkt immer das Blatt am Boden war. Dabei bin ich dann rund um das Blatt gegangen, die Kreise haben auf die Art eine Kugel gebildet.

2. Ein Fahrrad mit einbeziehen, indem man kleine LEDs an die Speichen klipst und dann während der Belichtung an der Kamera vorbeifährt (oder gleich das Fahrrad abmalen). Man kann auch noch diverse Lampen am Gepäckträger befestigen oder etwas leuchtendes in der Hand halten und z.B. auf und ab bewegen während der Fahrt.

3. Wunderkerzen verwenden. Hier hat man nette Effekte durch die Funken, allerdings auch das Problem, dass man sie nicht ausschalten kann wenn man kurz absetzen möchte

Beispielbilder zu den obigen Punkten:

4. Viele weitere Anregungen gibt es im Internet, was mich besonders beeindruckt hat sind diese Bilder, eine sehr kreative und interessante Art, die Umgebung und das künstliche Licht zu einem Gesamtkunstwerk zu verschmelzen.

Und noch ein letzter Tipp: Wenn ihr euch ein paar Gleichgesinnte sucht und eine Thermoskanne Glühwein mit einpackt, macht das ganze natürlich mehr Spaß als wenn ihr wie ein kleines Irrlicht alleine durch die Gegend geistert 🙂

 

Ulrike Jordan